Stolperstein 23 Erna Schönfeld Jg. 1911

Erna Schönfeld, verh. Karlsberg, wurde  1911 in Obernkirchen geboren – wahrscheinlich   in der 1907 von ihrem Vater erworbenen Villa.

Erna besuchte das Hildburg-Lyzeum in Rinteln, wie ein Klassenfoto aus dem Jahre 1925 beweist. Ein weiteres Foto zeigt sie mit Freundinnen im Sonnenbrink-Bad  in Obernkirchen 1930. Die Fotos sind in dem Buch „Juden in der Provinz“ von Rolf-Bernd de Groot und Günter Schlusche  abgedruckt.

Erna war offenbar  ein ganz aufgewecktes Mädchen. Das lässt sich ironischerweise auch dem Pamphlet von 1935, auf das  bei  der Vorstellung ihres Vaters, Moritz Schönfeld, schon hingewiesen wurde. Die Rede war dort von dem  “ holden Töchterlein, das mit „Impertinenz durch die Straßen schreitet“ und von dem „blonden Wesen, das an Frechheit ihres gleichen sucht“. Danach folgt der Satz: „Schlagt diesem jüdischen  Frauenzimmer aufs Maul, wenn sie weiter wie bisher die deutschen Volksgenossen  bewusst beleidigt und höhnt!“ Leider ist der Verfasser dieses Pamphlets nicht bekannt, so dass er nicht benannt werden kann. Das Pamphlet  ist aber in dem  genannten Buch auf Seite 116 abgedruckt.  Was mag in einer jungen Frau von 24 Jahren,  die Erna damals war, vorgegangen sein, als sie von  derartigen Scheußlichkeiten über sich und gegen sich erfuhr. Für ihre angeblichen „Frechheiten“ gegenüber dem Nazi-Pöbel kann man allerdings im Nachhinein nur gratulieren.

Erna Schönfeld und  Eduard Karlsberg, der nicht aus Obernkirchen stammte und in jener Zeit schon im KZ Dach eingesperrt war, heirateten  nach seiner Entlassung im  August 1936. Sie  flohen noch  im selben Jahr aus Nazi-Deutschland nach Argentinien (Buenos Aires). Später – wahrscheinlich erst nach dem 2. Weltkrieg – siedelten sie in die USA nach Los Angeles über  – ob  zusammen mit den Eltern /Schwiegereltern,  Recha und Moritz Schönfeld, oder getrennt, konnte bisher nicht festgestellt werden.

Eduard Karlsberg ist dort 72jährig 1979 gestorben. Aus dieser Ehe gingen zwei Söhne hervor: Michael M. und  Roland P. Karlsberg,  geb. 1939 bzw. 1941. Beide sind wahrscheinlich noch in Buenos Aires geboren. Soweit bekannt, ist der Sohn Michael bereits verstorben.

Erna Karlsberg  war zuletzt 1989 zusammen mit ihrem Lebenspartner Walter Heumann in  Bückeburg. Bei der Gelegenheit gab sie Siegfried Bönsch, früher wohnhaft in Obernkirchen, am 3. 7. 1989  ein sehr lesenswerte Interview, abgedruckt ebenfalls im  Buch „Jüdisches  Leben in der Provinz“ (S. 178 ff.). Leider ist nicht bekannt, welche Kontakte nach Bückeburg bestanden.

Erna lag offenbar auch sehr an der Pflege verwandtschaftlicher Beziehungen. Dem Verfasser liegt ein sehr schönes Foto der Familie  ihres Sohnes Roland  vor, das sie ihren  Verwandten in Obernkirchen, Manfred und Johanna Schönfeld, die 1998 aus Buenos Aires nach Obernkirchen zurückkehrten, übersandt  hatte.  Auf der Rückseite  des Fotos in Postkartengröße stellt sie u. a. in deutscher Sprache  die Familie ihres Sohnes (Frau und  3 Söhne mit  Namen vor- leider ohne Datumangabe. Da Manfred Schönfeld aber schon ein Jahr nach Rückkehr -1999 –  verstorben ist, wird sie  die  Foto-Karte  1998/99 übersandt haben.

Erna Karlsberg ist inzwischen verstorben, wann genau bzw. in welchem Jahr ist leider nicht bekannt.

Ihr Sohn Roland P. Karlsberg  wohnt heute  in Beverly Hills, einer kleinen Stadt bei Los Angeles. Er ist ein berühmter Kardiologe und vielfach national und international ausgezeichnet. Aus Anlass der Stolpersteinverlegung am 1. 10. 2016 stehe  ich seit Anfang dieses Jahres mit Roland P. Karlsberg M.D. in einem  E-Mail-Kontakt.  Ich habe ihn ausführlich über das Vorhaben informiert.  Er war auch sehr interessiert. Leider war es ihm und/oder einem anderen Familienmitglied aber nicht möglich am 1. 10. dabei zu sein.

Wie ich aber zwischenzeitlich erfahren habe, war Roland früher schon einmal – vor etwa 30 Jahren – in Obernkirchen und auch in dem früheren Haus seiner Großeltern. Die damalige und noch heutige Eigentümerin dieses Hauses erinnert sich aber noch genau an diesen Besuch. Leider ist über diesen Besuch offiziell aber  nichts  bekannt.

Zur Erinnerung auch  Irmgard, Alfred und Erna Schönfeld wurden am 1. 10. 2016  je ein Stolperstein verlegt. Die Ansprache aus Anlasse  der Verlegung für die 3 Geschwister übernahm Christoph von Abendroth.

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